Das MacBook ist tot!


…und warum Apple keine zweite Chance bekommt!

Vor wenigen Stunden wurde es offenbar, was keiner erwartet hat und fast niemand recht glauben konnte, das MacBook verschwand ohne Ankündigung und lautlos aus dem Apple-Store. Vollkommen kommentarlos hat Apple im Rahmen der Preissenkungen für die Einstiegsmodelle von MacBook Air und MacBook Pro das superflache MacBook mit 12-Zoll-Display aus dem Angebot genommen.

Im März 2015 hat Apple nach eigenen Angaben das Notebook neu erfunden. Das 12′ große MacBook erblickte das Licht der Welt. Ultrakompakt mit Retina-Display und Apples erstes MacBook mit USB-C-Anschluss.

To create the new MacBook, every fundamental element of the notebook had to be completely reimagined.

With an all-new keyboard, ultrathin 12-inch Retina display, force-sensing trackpad, and revolutionary new battery technology, this is more than just a new notebook. It’s the future of the notebook.

http://apple.co/macbook

https://youtu.be/hajnEpCq5SE

Für mich stellte das ultraleichte (900g) und sehr flache Notebook wirklich die Zukunft des mobilen Mac´s dar. Es hatte den Reiz des alten Weißen/Schwarzen MacBooks (2006-2009), kam mit dem formschönen Design auch noch ohne Lüfter aus und war 300 Gramm leichter als das MacBook Air 13′. Ja, mit diesem 12′ Edel-Notebook aus dem Hause Apple konnte man sich nicht nur überall bewundernden Blicken aussetzen, sondern auch bequem und leichtfüssig überall seiner mobilen Tätigkeit widmen.

MacBook

Apple MacBook 12′

Natürlich hatte ich Kritikpunkte, welche mir den Kauf eines solchen MacBook´s auf die Warteliste schob. Dazu zählte die sehr dünne Kapazität der Festplatte, welche mit anfänglichen 128GB einfach zu klein für mich war. Weiterhin war die 480p FaceTime Kamera einfach nicht mehr zeitgemäß. Aber wie wir es von Apple kennen, sollte man niemals „Early Adopter“ sein, denn die ganz normalen Kinderkrankheiten werden bei Apple immer schnell durch funktionierende Lösungen ersetzt. So hoffte ich auch diesmal darauf, dass dieses revolutionäre MacBook schnell aus den Kinderschuhen heraus, zu einem wirklichen Kaufkandidaten heranwachsen würde.

Leider war dem nicht so, denn ich musste schmerzlich erkennen, dass es nicht mehr Steve Jobs und seine Visionen waren, welche die geschicke von Apple lenkten, sondern sein Statthalter und ROI-Buchhalter Tim Cook. Es zählte nur noch die Rendite auf das Investment und nicht mehr die Vision und Produkt-ENTWICKLUNG. Somit dümpelte nicht nur das MacBook in seinem Schattendasein vor sich hin, sondern auch Steve Jobs letzte MacBook-Revolution, das MacBook Air, welches er voll sichtbaren Stolz 2008 noch persönlich präsentierte.

steve-jobs-macbook-air

Steve Jobs präsentiert das dünnste Notebook der Welt, das MacBook Air 2008

Unter Tim Cook war das iPhone die tragende Säule des Apple Konzerns geworden und er konzentrierte sich voll auf die Wearables im iPhone Universum, wie der Apple Watch. Modische Gimmicks und sinnfreie Spielereien wie animierte Emoji´s waren jetzt wichtiger als bahnbrechende Hardware. Der letzte Cent musste dem Apple Jüngern aus den Konten gezogen werden und dabei spielte die Entwicklung von zukunftsweisenden Geräten nur die Rolle eines störenden Kostenfaktor. Unter den Apple Fans machte sehr bald das Gerücht die Runde, dass die Zeit des MacBook Air den nun gekommen sei und der Platz zwischen dem MacBook und dem MacBook Pro zu Ende geht. Der Tod des MacBook Air waren den meisten Beobachtern klar und nur noch eine Frage der Zeit.

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Als dann mit dem iPad Pro 12,9′ der erste ernstzunehmende Notebook-Killer auf den Markt kam und die Zukunft des Notebook generell durch Tim Cook in Frage gestellt wurde, war es wie ein Abgesang für die MacBook´s, allen voran dem lange nicht mehr aktualisierten MacBook Air.

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Für mich war jedoch klar, dass ein MacBook, was ja erst 2015, also unter der Ägide von Tim Cook das Licht der Welt erblickte, zumindest weiterentwickelt würde und die Verbindung zwischen dem iPad Pro 12,9′ Topmodell und dem 13′ MacBook Pro darstellen. Wem das iPad mit der mobilen Tastatur und dem iOS Betriebssystem nicht zusagte und das MacBook Pro zu groß erschien, der sollte meiner Meinung nach mit dem MacBook genau das Gerät bekommen, was beide Welten mit einander verbindet. Das MacBook war klein und leicht wie ein iPad, brachte aber das Betriebssystem macOS und eine vollwertige Tastatur mit. Ideal also, aus meiner Sicht.

Doch es sollte anders kommen. 2018, wir trauten unseren Augen und Ohren nicht, erschien die Neuauflage des MacBook Air und es sah auf dem ersten Blick auch wirklich umwerfend aus. Im Stil eines MacBook Pro mit der scheinbaren Leichtigkeit des MacBook sollten hier die Karten neu gemischt werden. Scheinbar! Nur wenige Tage nach der Präsentation machte sich dann auch schon Ernüchterung breit unter den Technik- und Apple-Spezialisten:

Zusammengefasst; „zu Schwer, zu Schwach, zu Spät!“ Im direkten Vergleich zwischen den MacBook´s kam das „Air“ nicht gut weg, ja sogar als völlig überflüssig daher. Auch die sehr gute Batterielaufzeit konnte da nicht mehr wirklich punkten.

Obgleich hier wie beim iPad, dem iPhone auch bei den MacBook´s der Trend zu immer dünneren Geräten erkennbar war, gab ich trotzdem nicht die Hoffnung auf, dass es in naher Zukunft doch noch ein Verschmelzen von iPhone und MacBook geben würde, wie ich bereits 2008 und 2017 beschrieb.

Leider ist dies wohl nicht umsetzbar, weil der Geist, die visionäre Kraft und die Orientierung am bestmöglichen Kundennutzen, wie es Steve Jobs verkörperte, durch Tim Cook bereits zu Grabe getragen worden ist. Dazu trägt das immer schlechter werdende macOS durch die inflationsartig steigende Zahl von Betriebssystemen und dem mittlerweile eingeführten iPadOS Rechnung. Cook hat die Zerstörung des Mac-Konzerns vorangetrieben und verliert sich in Zahlen- und Steuersatzspielereien zugunsten einer Rendite und Börsenwertsteigerungs-Strategie.

Das hatten wir schon einmal in der Geschichte von Apple. Wie damals, als Steve Jobs den Seelenlosen John Sculley zum CEO machte, der auch nur die Aktiva-Zahlen beherrschte, jedoch von der Vision und den Produkten von Apple rein garnichts verstand, so war auch die Personalentscheidung von Steve Jobs, Tim Cook als seinen Nachfolger und Sachverwalter einzusetzen wiederum verheerend für Apple.

Steve Jobs war und ist die Seele von Apple

So äußerte sich Steve Jobs in der TV-Dokumentation “Nerds in the Valley” (1996) verbittert über seine damalige Entmachtung:

“Was soll ich sagen? Ich hatte mit Sculley den falschen Mann angeheuert. Er zerstörte alles, wofür ich zehn Jahre gearbeitet hatte. Bei mir selbst angefangen, aber das war nicht das Traurigste. Ich hätte Apple gerne verlassen, wenn Apple sich so entwickelt hätte, wie ich es wollte.”

Andy Hertzfeld, einer der Väter des MacIntosh, trauerte damals offen Steve Jobs hinterher:

“Apple hat sich nie davon erholt, Steve verloren zu haben. Er war das Herz und die Seele und der Motor. (…) Apple hat damals seine Seele verloren.”

Nun, heute ist es nicht anders. Einzig der Name hat sich von Sculley auf Cook geändert. Gleiche Ursache, gleiche Wirkung, doch mit einem wesentlichen Unterschied: Ein Steve Jobs wird niemals mehr zurück kommen können, um das Ruder wieder einmal herumreissen zu können. So sehe ich den Tod des MacBook auch als Vorzeichen zum endgültigen Tod von Apple. Das klingt weit hergeholt, aber wenn man die Analogien sieht, dann wäre das nur folgerichtig.

Als 1985 nach dem Richtungsstreit mit dem damaligen CEO John Sculley die Firmengründer Steve Jobs und Steve Wozniak Apple verlassen, wird der Konzern auf die profitbringenden Produkte reduziert. Entwicklungsabteilungen und Projekte für neue Produkte wurden eingestellt oder zusammen gestrichen. Es wurde sich auf die alten und noch(!) erfolgreichen Produkte (Apple II) als Renditebringer konzentriert. Zusätzlich wurde die Produktpalette deutlich ausgeweitet. Neben den Apple II Computern, die immer noch verkauft wurden, wie den Macintoshs, bringt Apple den Apple IIc  sowie den Apple IIGS ohne Bildschirm auf den Markt. Bis in die 90er entstehen auch der Mac Plus, Mac SE, Mac Classic und der Mac LC. Eines der wichtigsten Produkte dieser Periode sind die PowerBooks, die 1991 auf den Markt kommen. Sie sind die ersten Laptops, wie wir sie heute kennen.

Die vielen verschiedenen Modelle und die unklare Strategie manövrierten den Konzern allerdings 1997 in die Krise. Nur 12 Jahre nach dem Abgang von Steve Jobs, war der Konzern am Ende insolvent. Die Zeichen heute stehen gleich. Eine Vielzahl von Betriebssystemen, unzählige Produktvariationen bei den MacBook´s sowie eine unklare Strategie, wohin der Konzern eigentlich in Zukunft steuern will, sowie die einzige Konzentration auf die Rendite (ROI) der einzelnen Produktsparten erinnern mich an die Zeiten eines John Sculley. Das Ende der Smartphone Ära ist längst eingeleitet und Tim Cook kann immer noch keine Alternative zum alles bestimmenden iPhone Umsatzanteil vorweisen.

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Mit dem iPad Pro und dem MacBook 12′ wäre die von Steve Jobs eingeleitete Ära des mobilen Computing erfolgreich fortgesetzt worden. Ob das MacBook Air diese Rolle erfüllen kann, ist derzeit noch unklar. Aus wirtschaftlicher Sicht des Konzerns ist es sicher einfacher, auf der Plattform des 13′ MacBook´s verschiedene Modelle laufen zu lassen, ähnlich der Plattformstrategie der Automobilkonzerne wie VW oder PSA. Leider verliert Apple dadurch an Innovation und verliert Zukunftsträger zugunsten der kurzfristige Rendite-Maximierung. Selbstredend wird der jetzt steigende Anteil an verkauften MacBook Air dem Konzernlenker Cook recht geben, da die potentiellen MacBook-Käufer sich alternativ für das Air entscheiden werden.

Um in den Worten von Apple zu bleiben; „Die Zukunft des Notebook wurde hier verspielt!“ Das Wegweisende MacBook wurde zugunsten der Rendite geopfert. 8 Jahre nach dem Tod von Steve Jobs ist der Konzern wieder am Anfang seines Weges in die Bedeutungslosigkeit angelangt. Der Weggang von Jony Ive ist daher nur noch ein öffentliches Zeichen, wie es um den Apple Konzern wirklich steht. Mit Ive verliert Apple den letzten Innovator aus den Zeiten eines Steve Jobs und es lässt nur erahnen, wie groß die Probleme im Konzern intern sein müssen. Wichtige Manager aus der macOS und Mobilfunk-Sparte verlassen Apple!

Wenn das iPhone nicht mehr die gewohnten Umsätze und Gewinne bringen wird, werden Tim Cook und seine Aktionäre erkennen müssen, dass Apple auf den Kern der Mac´s zusammen schrumpfen wird, es aber leider an Innovation fehlt, um eine Trendwende zu erzeugen. Dann aber wird es nicht mehr möglich sein, wie Gil Amelio es 1997 noch tat, einen Steve Jobs zurück ins Unternehmen zu holen. Die Entscheidung wird dann nur noch lauten, Untergang oder Verkauf an Amazon oder gar einen chinesischen Konzern, wie zum Beispiel Huawei.

In jedem Fall ist der Tod des MacBook ein neuer Meilenstein in der Geschichte von Apple…

consiliarius

 

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Markus Goller

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