Ein Jugendtraum wird Wirklichkeit…


…oder die Auferstehung einer Legende

Mitte der 1980´er Jahre saß ich als kleiner Bube in den Ferien des öfteren bei meiner Oma Nachts und schaute Fernsehen. Natürlich zu Zeiten, die meine Mutter wahrscheinlich in den Wahnsinn getrieben hätte. Als Enkel hat man dann auch gewisse Sonderrechte und so wollte ich unbedingt einen Actionfilm sehen. So kam es, dass ich zum ersten Mal einen „James Bond 007“ sehen konnte und mein persönlicher Debüt-Film „Goldfinger“ war. Auch wenn der Film damals schon 20 Jahre auf dem Buckel hatte, war er dennoch für mich eine Sensation. Komplett fasziniert war ich dann logischer Weise auch vom Spezialwagen seiner Majestät, dem legendären Aston Martin DB5.

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Aston Martin DB5 in „Goldfinger“

Wie wahrscheinlich jeder Junge meines Alters damals, wollte ich sofort Geheimagent werden und genau dieses Auto haben. Ich verbiss mich in diesen Gedanken derart, dass ich Nachts davon träumte, eines Tages in diesem Auto zu sitzen. Natürlich war dies in der DDR, wo ich lebte, ein völlig absurder Traum und ich wurde von jedem, den ich davon erzählte, mitleidig belächelt. Irgendwann habe ich meinen Traum dann wohl begraben, bis zu dem Tag, als die DDR aufhörte zu existieren und ich meinen Beruf als Vermögensberater begann. Hier war das Träumen nicht nur wieder möglich, sondern Pflichtprogramm und so tauchte der DB5 wieder am Horizont auf.

1993 bekam ich von meinem Autohändler des Vertrauens aus Berlin eine Einladungskarte zur Vorstellung des neuen Aston Martin DB7. Aston Martin Lagonda war Dank einer Übernahme des Ford-Konzerns wieder zum Leben erwacht und präsentierte sich mit diesem Modell in guter Tradition seiner edlen Vorgänger. Natürlich war dies für mich auch eine Offenbarung. 1994 war es dann soweit und mein 6 Monate alter Audi A8 4,2 Quattro musste dem neuen DB7 Platz machen. Natürlich musste er klassisch in British Racing Green sein und eine Beige-braune Lederausstattung bekommen. Der damals „kleine“ V6 Motor mit 340 PS war zwar eine spürbare Leistungsbeschränkung im Vergleich zum Audi, aber das Statement und die Vorzüge eines GrandTourismo waren unschlagbar elegant.

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Aston Martin DB7 – British Racing Green

Das Design lieferte der geniale Automobildesigner Ian Callum, für das er bis heute am bekanntesten ist. Leider hatte der Wagen zuviel seines „Sponsors“, dem Ford Mondeo in und an sich, so dass sich letztendlich auch die für mich damals unzureichende Kraft in einem Porsche Turbo wiederfand. Die neuen Aston Martin Modelle waren auf einmal „Mode“ und „Mainstream“, versprühten die „Eleganz“ von verhinderten Ferraris und reizten mich nicht wirklich. So endete je die Geschichte des Legendären bei mir. Oder doch nicht?

2005 kam wieder Gänsehaut auf, als Ian Callum sein neustes Baby vorstellte, allerdings nicht im Gewand eines Aston Martin, sondern bei der Ford-Konzerntochter Jaguar. Das Jaguar Advanced Lightweight Coupe, dessen Gene aus dem DB7 nicht zu leugnen waren. Er war schön, elegant und vorallem mit seinem 4,2 Liter V8 entsprechend motorisiert, wie ich es mir vorstellte.

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Jaguar New XK8 LWC

Das einzigste, was dem wunderschönen Jaguar XK8 fehlte, war die Exklusivität eines Aston Martin oder Bentley, da er sich in Gesellschaft von Modellen befand, die sich krampfhaft am Massenmarkt etablieren wollten. So war es schrecklich, dass man einen „kleinen“ Jaguar als Dieselbetriebenen Familienkombi anbot. Es war unglaublich, wie das Emblem einer fauchenden Rassekatze auf der Motorhaube eines Vertreterkombis ihren Gang in die Bedeutungslosigkeit der Masse entgegen sehen musste. Sicher spricht das neue Design und die Produktorientierung von Jaguar, seit der Übernahme durch den indischen TATA Konzern, den Zeitgeist an und arbeitet jetzt renditenorientiert, aber es fehlt mir der Charme des Aussergewöhnlichen.

Aber auch Aston Martin war keine Heimat mehr für mich, auch wenn der beste James Bond aller Zeiten, Daniel Craig die neuen Modelle durch die Filme jagte. Man spürte die Hand und den Geist von Ulrich Bez, ehemaliger BMW und Porsche Entwicklungschef. Unternehmerisch machte er alles richtig, als er das Ruder bei Aston Martin übernahm. Der Name wurde wieder gefürchtet auf der Rennstrecke und die 007 Filme platzierten die DB Modelle an die willige Käuferschicht von gelangweilten Millionären und aufstrebenden Vertretern aus Finanz- und MultiLevelMarketing Unternehmen. Neben dem Maserati, einem eleganteren Ferrari, auf dessen Basis und Geld dieser steht, wurde die Marke Aston Martin der Liebling des Modemainstreams. Nicht mein Ding! Selbst Daniel Craig, alias 007 Bond, setzt da gerne wie sei Vorgänger Pierce Brosnan auf die altbewährte Qualität von Stil, Eleganz und Aussergewöhnlichem.

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007 Daniel Craig mit dem Original DB5

Dann, Anfang des Jahres 2014 hieß es, dass ein britischer Karosseriebauer namens David Brown ein Auto unter dem Namen Speedback auf den Markt bringen will. Déjà-vu? David Brown? Sir David Brown? Mitnichten. Der Mann hat nichts mit dem legendären Besitzer und Namensgeber der DB Modelle von Aston Martin zu tun. Weder verwandt noch verschwägert. Dabei hat der Vater von David Brown, also dem, der den Speedback bauen will, zur selben Zeit wie der originale Aston-Martin-Chef Traktoren konstruiert. Das ist jedoch ein gutes Omen, denn auch Ferruccio Lamborghini baute bekanntermaßen Traktoren, bevor er seine Supersportler in die Spur schickte.

So ist dieser David Brown ein begeisterter Oldtimer Sammler und dachte sich, dass es doch möglich sein muss, klassisches Design und moderne Technik wie Ausstattung zu vereinen. Es gab nur eine Lösung: Brown hat sich sein ganz persönliches Traumauto gebaut, den Speedback GT. Ein Sportler, Außen Sixties, innen Avantgarde und das ganz in typischer britischer Tradition. Mit dem Speedback GT hat die noch junge britische Sportwagenmanufaktur ein Modell der Extraklasse auf die 19-Zoll-Drahtspeichenräder gestellt.

Brown und sein Team haben dabei nicht von Grund auf ein neues Auto entwickelt: Die technische Basis für den Speedback GT stammt von einem Jaguar XKR, der seit 2006 gebaut wird. Typisch britisch ist dann auch die technische Plattform auf der der Speedback GT aufbaut. So wanderte der Jaguar Fünfliter-Kompressor-V8 mit 510 PS und 625 Nm Drehmoment samt der Sechsgangautomatik in den David Brown Automotive Speedback GT. Damit sprintet der Speedback jetzt von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 248 km/h.

Auf die Jaguar-Aluminium-Architektur pflanzten die Briten eine ebenfalls aus Aluminium gefertige Karosserie mit langer Schnauze, lang abfallendem Heck und liegenden ovalen Scheinwerfern. Den Innenraum, der weitestgehend dem des Jaguar XK entspricht, kleiden ausgewählte Edelhölzer und höchstwertige Ledersorten aus. In der Mittelkonsole, zwischen Armaturen aus edlem Holz und Aluminium, ist ein Touchscreen eingebaut. Die Temperatur der Sitze lässt sich regeln, Einparksensoren helfen beim Rangieren. 

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Picknick Bank im neuen DB

Eine charmante Überraschung kam in den Kofferraum des Wagens: Dort lässt sich eine kleine Picknickbank ausklappen. Eigentlich eine so skurrile wie altmodische Funktion und gerade deswegen ein Highlight. Brown hofft darauf, dass auch andere so denken wie er. Etwa 50 Exemplare sollen nächstes Jahr gefertigt werden. Kein Speedback GT gleich dem anderem und das soll auch in Zukunft so bleiben. Jeder dieser Grand Tourer wird für 495.000 Pfund genau nach Kundenwunsch gefertigt. Mit dem selbstbewussten handwerklichen Anspruch „Best of British”, konnte David Brown Automotive ganz klassisch und doch ganz neu ein Statement in der Automobilwelt setzen, dem auch ich mich nicht mehr entziehen kann…

This is my Car!

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Veröffentlicht in Produkte, Unternehmen
One comment on “Ein Jugendtraum wird Wirklichkeit…
  1. Das Design Konzept ist klasse, mir persönlich würde aber nichts modernes in den Innenraum kommen, nur klassische Rundinstrumente. Allenfalls versteckt, wie einst bei James Bond, dürften sich moderne Helferlein präsentieren. Kein Mäusekino, kein Display, kein Navi und ein wirklich guter Motorsound wären wichtig 😉

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