Facebook überholt YouTube…


…oder warum am blauen Riesen kein Weg mehr vorbei führt.

Facebook läuft mit den Videos im NewsFeed zunehmend YouTube den Rang als primäre Videoplattform ab. 8 Milliarden Videos werden jeden Tag weltweit auf Facebook angesehen. Besonders stark ist dabei der Anteil der Mobile-Nutzer unter den Video-Konsumenten gestiegen. 70 Prozent aller Videos auf Facebook werden derzeit mit Smartphones oder Tablets angesehen. Damit bekommt Google in einem weiteren Kerngeschäftsfeld Probleme durch Facebook, denn nicht wenige Video-Produzenten wandern ab zu Facebook. Im November 2015 sollen Facebook-Seitenbetreiber erstmals mehr Videos direkt auf Facebook als auf YouTube hochgeladen haben (Quelle Facebook).

Doch damit nicht genug; Facebook setzt ab sofort auch auf Livestreaming. Das soziale Netzwerk hatte schon im August 2015 ein Pilotprogramm gestartet, das es Seitenbetreibern erlaubt, Videos in Echtzeit aufzunehmen und Fans währenddessen zuschauen zu lassen. Jetzt ist die Funktion gestartet – wenn auch vorerst nur für „Verified Pages“, die über die iOS-App bedient werden. Das Video wird direkt auf der Facebook-Seite veröffentlicht und Nutzer können es auch noch zu einem späteren Zeitpunkt anschauen. Zudem ist ein „Subscribe“-Button integriert, sodass Nutzer weitere Livestreams abonnieren können. Sobald ein neues Video hochgeladen wird, bekommen Interessenten eine Benachrichtigung. Livestreaming ist ein heißer Trend im Bereich „Social Media“ und zudem eine sinnvolle Erweiterung des Video-Portfolios an sich.

Damit dieses Geschäftsfeld auch in Zukunft weiter erfolgreich läuft, hat Facebook gleich seine „Schrauber“ dran gesetzt und den Wechsel vom alten energiehungrigen Flash auf das moderne HTML5 vollzogen. Damit trägt der Zuckerberg-Konzern der Tatsache Rechnung, dass HTML5 sich zunehmend gegen Flash durchsetzt. Facebook-Videos ist somit nur als ersten Schritt in die richtige Richtung zu verstehen. HTML5 liefert dabei eine Menge Vorteile; so sollen die Videos jetzt schneller laden und auch stabiler laufen. Facebook jedenfalls will seit der kürzlich erfolgten Umstellung gute Erfahrungen mit dem HTML5-Video-Player gemacht haben. Die Entwicklung sei jetzt leichter und die Videoerfahrung für die Nutzer besser. Facebook-Nutzer würden jetzt Videos öfter liken, kommentieren oder teilen und würden sie länger als zuvor anschauen.

Zuckerbergs Visionen: Was will Facebook für seine eigene Zukunft?

Facebook hat mit seinen letzten Quartalsbericht des Jahres 2015 eine phantastische Basis veröffentlicht.

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Facts Facebook 2015

Die Plattform hatte in diesem Jahr täglich eine Milliarde aktiver Anwender. Die Gesamtzahl beläuft sich derzeit auf 1,55 Milliarden angemeldeter Personen. Zwei von drei Nutzer haben der Plattform demnach an sieben Tagen in der Woche einen Besuch abgestattet. Das Geld aus dem Börsengang reicht locker, um Investitionen in den Ausbau des eigenen Ökosystems vorzunehmen und sogar etliche Milliarden in die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien zu stecken, um in naher Zukunft zum Game-Changer werden könnten. Die Menschheit auf Facebook zu vernetzen und sie dort „always on“ zu halten, ist das erklärte Ziel von CEO Mark Zuckerberg. Im sozialen Netzwerk Nummer 1 werden immer weitere Schritte unternommen, um die Plattform zum Lebensmittelpunkt der Menschen zu machen.

Facebook will das Medienhaus der Zukunft werden

Facebook will beispielsweise die zentrale Anlaufstelle des privaten Nachrichtenkonsums werden – also quasi das, was für unsere Eltern die morgendliche Tageszeitung war. Seit einigen Monaten bietet deshalb Facebook verschiedenen Medien an, ihre Inhalte in Form von „Instant Articles“ direkt auf der Plattform zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird ihnen auch die Möglichkeit gegeben, die Beiträge dort zu vermarkten. Bisher konnten Medienunternehmen die Links zu den Inhalten ihrer Websites in Facebook teilen und das Soziale Netzwerk somit als reinen Distributionskanal nutzen. Der Traffic, der dadurch generiert wurde, ist von großer Bedeutung für den Gesamterfolg digitaler Nachrichtenportale.

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Social Traffic Source Facebook

Etablierte deutsche Medienunternehmen wie Spiegel Online oder Focus erhielten dadurch knapp 5 bis 15 Prozent ihres Traffics über Facebook. Medien, die häufig mit „Clickbait-Methoden“ arbeiten, verzeichneten sogar einen Traffic-Anteil von bis zu 85 Prozent durch Facebook. Die Zeiten des reinen Distributionskanals will Facebook jetzt beenden und zur Ausgangsplattform für Inhalte jeglicher Art werden. Dafür bietet das Soziale Netzwerk den teilnehmenden Medien die Möglichkeit, ihre Inhalte eigenständig auf der Plattform zu vermarkten. Sie können begleitende Werbung entlang ihrer Inhalte selbst verkaufen und die Einnahmen ohne Provision einbehalten. Wer das nicht möchte, nutzt Facebook als Vermarkter und gibt ebenso wie bei Apple 30 Prozent ab.

Für die Nutzer bedeutet das, dass sie die Webseiten der Verlagshäuser nicht mehr brauchen und das Facebook-Universum nicht mehr verlassen. Neben englischsprachigen Medien wie der New York Times und dem The Guardian haben auch viele deutschsprachige Angebote einer Kooperation zugesagt, darunter BILD, Spiegel Online und Die Welt. Geht es nach Mark Zuckerberg, würden Facebook-Seiten zukünftig den Platz zentraler Nachrichten-Webseiten einnehmen, was bezüglich kürzerer Ladezeiten und geringerer Absprungraten auch für die Verlage einige administrative Vorteile mitbringen könnte. Mit Instant-Articles wird Facebook zur Medienplattform der Zukunft!

Doch Facebook will noch ganz andere Lebensbereiche auf die Plattform verlagern und den Alltag der Nutzer auf dem sozialen Netzwerk abwickeln. Derzeit verfolgt das Unternehmen beispielsweise auch eine Social-Commerce-Offensive. Die Facebook-Gemeinde soll zukünftig nicht nur die Werbung der Marken sehen, sondern auch direkt auf den Marken-Seiten und im Newsfeed einkaufen können. Verschiedene Funktionen befinden sich derzeit im Test. So werden digitale Mini-Schaufenster auf Profilseiten und ein Shopping-Newsfeed geprüft.

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Facebook Pay

Noch interessanter ist die Finanztransfer-Funktion. In den USA können Facebook-Anwender bereits individuelle Geldbeträge über den Messenger an Freunde überweisen. Das dürfte der erste Schritt sein, Facebook als Payment-Anbieter für viele weitere Möglichkeiten auszubauen. So ermöglicht Apple Pay es Nutzern zum Beispiel schon seit einiger Zeit, auch in Geschäften zu bezahlen. Facebook weiß das natürlich und wird über kurz oder lang einen ähnlichen Service ins Visier nehmen, welcher in der Vergangenheit noch ausschließlich von Banken und Online-Payment-Diensten wie PayPal angeboten wurde.

Das ist derzeit aber nur das, was Facebook aktuell unternimmt, um Nutzer länger auf der Plattform zu halten, neue Daten zu generieren und damit Geld zu verdienen. Wie sieht nun aber der weitere Blick in die Zukunft aus?

Facebook will die entlegensten Gegenden der Erde mit Internet versorgen.

Eines der größten Projekte dreht sich beispielsweise darum, die entlegensten Gegenden der Erde mit Internet zu versorgen. Dafür gründete Mark Zuckerberg 2013 das Projekt Internet.org. Zu den Gründungsmitgliedern von Internet.org gehören neben Facebook auch Samsung, Nokia, Ericsson, Opera, Qualcomm und MediaTek. Gemeinsam möchte man daran arbeiten, dass Milliarden von Menschen nicht länger vom Netz ausgeschlossen sind. Die Initiative hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die restlichen zwei Drittel der Weltbevölkerung ohne Internetanschluss ans Netz zu bringen. Möglich soll das unter anderem durch neue Infrastrukturprojekte werden. Facebook hat dafür das „Aquila“-Programm gestartet, das rund zehn Prozent der noch internetlosen Menschheit vernetzen soll. Zu diesem Zwecke möchten Zuckerberg und seine Partner mit Regierungen, Telekommunikationsanbietern, NGOs, Akademikern und Experten zusammenarbeiten.

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Screenshot internet.org

Mark Zuckerberg expandiert nur in Bereiche, die Facebooks zentrale Vision voranbringen. So stecken hinter Internet.org und „Aquila“ auch keine sozialen Gedanken oder die Idee, zum Netz-Provider zu werden. Mehr Menschen ins Internet zu bringen, bedeutet bloß, noch mehr potentiellen Nutzern den Zugang zur eigenen Plattform zu ermöglichen. Ähnliche Vorhaben hat auch schon Google mit dem „Project Loon“ vorangetrieben, jedoch ist auch hier Facebook wieder einen Schritt voraus. Und damit sind wir bei einem weiteren Engagement, das Facebook mit Google gemein hat; der Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Um aus den unglaublichen Datenmengen, die zukünftig noch viel gigantischere Ausmaße annehmen werden, lukrative Informationen zu extrahieren, ist es DIE Aufgabe des Konzerns, die Facebook mit am stärksten beeinflussen wird. Künstliche Intelligenz sollen helfen, die zukünftigen Bedürfnisse der Nutzer noch besser zu verstehen und zu lenken. Dies zu realisieren, ist Facebook sogar bereit, anerkannte Wissenschaftler abzuwerben und ihnen eine Forschungsumgebung zu bieten, die sie nicht mal an Elite-Universitäten vorfinden.

2013 hat Facebook ein Zentrum zur Erforschung künstlicher Intelligenz eingerichtet, das vom französischem Mathematiker Yann LeCun geleitet wird. Er ist anerkannter Experte auf dem Gebiet des „Deep Learnings“ und Gründer des Zentrums für Datenforschung an der New-York-University. Das ist ein Bereich der künstlichen Intelligenz, bei dem die Funktionsweise des menschlichen Gehirns simuliert wird, um Daten analysieren, welche die Fragen beantworten, wie Computer dazu gebracht werden können, das Wissen aus riesigen Datenmengen herauszufiltern, um daraus selbstständig präzise Schlussfolgerungen zu ziehen.

Betrachtet man all diese Schritte; Instant-Articles, die Social-Commerce-Offensive, die Video-Stategien oder auch die Ambitionen einer Social-Suchmaschine nicht nur für sich allein, sondern im Gesamtkontext, wird klar: Facebook will das Internet werden – nicht mehr und nicht weniger! Erfolgreiche bislang eigenständige Web-Angebote sollen nach und nach als Zusatzfunktionen in die Plattform eingebaut werden, um somit einen Walled-Garden zu schaffen, der es für Nutzer unnötig macht, das soziale Netzwerk zu verlassen.

Foto cultofmac

Steve Jobs und Mark Zuckerberg   ©Foto „Cult of Mac“

All dies hatte auch schon Steve Jobs frühzeitig erkannt und wollte das aufstrebende Unternehmen aufkaufen, um es in die fast identisch funktionierende Strategie von Apple erfolgreich zu integrieren. Mark Zuckerberg wusste aber schon da um das Entwicklungspotential und den Wert seines Unternehmens und sagte freundlich aber bestimmt NO!  Und auch wenn ich kein Fan von Facebook und Mark Zuckerberg bin, wie alle wissen, so ist allen Unkenrufen zum Trotz, Facebook bislang immer stärker geworden und hat alle Kritik abblitzen lassen:

► „Facebook schafft es nicht aus Harvard heraus.“

► „Die Plattform ist nicht für den Mainstream geeignet.“

► „Das Netzwerk kann die Jugend nicht halten, sobald Eltern und Großeltern sich anmelden.“

► „Facebook wird mobil niemals so erfolgreich sein wie auf dem PC.“

All diese Prophezeiungen sind nie eingetroffen. Selbst das von vielen Analysten heraufbeschworene Ende in den kommenden Jahren wird Facebook überleben. „Too big to fail“, könnte ich als Vermögensberater und Investor auch sagen und wer weiß, vielleicht wird ja schlußendlich die Vision von Steve Jobs doch noch war und die beiden Ökosysteme finden  zusammen, sozusagen als die Hochzeit von Hardware und Software zum unschlagbaren Geschäftsmodell der mobilen Social Media Welt…

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Veröffentlicht in Allgemeines, ERFOLG, Unternehmen, Vermögensberatung
2 comments on “Facebook überholt YouTube…
  1. schöner, sehr interessanter Artikel. Danke Markus.

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  2. […] sich durch Datenlecks, zweifelhaften AGB´s und SPAM immer wieder unangenehm in Erinnerung bringt, baut der Facebook Messenger seine Vormachtstellung immer weiter seriös aus. Mitbewerber wie LINE, VIBER, TELEGRAMM und Andere werden das Schicksal der Bedeutungslosigkeit […]

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