+++ Akte 4U9525 +++ Jahrelange Ermittlung eines Untersuchungsrichters…


…liesen staatliches Lügengebäude zum Flugzeugabsturz zusammenbrechen! Am Abend des 27. Juni 1980 war die Passagiermaschine der Fluglinie Itavia von Bologna nach Palermo unterwegs, als sie um 20.59 Uhr nordöstlich der Insel Ustica plötzlich vom Radar verschwand. Eilig verkündeten Italiens Behörden die vorgebliche Unglücksursache mit „Materialermüdung“, noch ehe überhaupt Untersuchungen erfolgt waren. Doch die Opferangehörigen und einige misstrauische Journalisten – unter ihnen der damalige taz-Korrespondent Werner Raith, gaben sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Doch Italiens Regierung leugnete hartnäckig. So hieß es zum Beispiel, dass Radaraufzeichnungen angeblich nicht zur Verfügung standen, da die Radars zufällig gerade zum Unglückszeitpunkt ausgeschaltet gewesen seien.

Akribische Puzzlearbeit deckte Alles auf

Akribische Puzzlearbeit deckte Alles auf

Aber einige der in den militärischen und zivilen Radaranlagen Beschäftigten redeten – mit dramatischen Folgen. Mehr als ein Dutzend Zeugen des Unglücks sollten in den Folgejahren unter mysteriösen Umstanden ums Leben kommen. (Quelle)

  • Am 8. August 1980 starb Oberst Pierangelo Tedoldi bei einem Verkehrsunfall. Tedoldi war als Nachfolger des Kommandeurs der Luftwaffenbasis von Grosseto, Oberst Nicola Tacchio, nominiert. Er hatte sein Kommando aber zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht angetreten. Auf dieser Basis landete am Abend des 27. Juni der Abfangjäger mit den Piloten Nutarelli und Naldini, die zuvor bei Florenz den Weg der DC-9 gekreuzt hatten.

  • Am 9. Mai 1981 starb Hauptmann Maurizio Gari an Herzversagen. Er war 37 Jahre alt. In der Nacht des 27. Juni war Gari einer der drei Offiziere in der Radarstation von Poggio Ballone bei Grosseto.

  • Am 23. Januar 1983 kam der Bürgermeister von Grosseto, Giovanni Battista Finetti, durch einen Autounfall ums Leben. Er hatte durch Luftwaffenoffiziere davon erfahren, dass am Abend des 27. Juni von dem nahegelegenen Flugplatz zwei Abfangjäger aufgestiegen waren, um eine libysche MiG abzuschießen.

  • Am 20. März 1987 wurde der Luftwaffengeneral und Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Licio Giorgeri, der sich in der Absturznacht in einer Piaggio PD.808, einem Spezialflugzeug für elektronische Kriegführung, über Ustica befunden hatte, von einem Terrorkommando namens Unione combattenti comunisti erschossen. Später stellte sich heraus, dass der Anführer des Mordkommandos vom Innenministerium bezahlt worden war.

  • Am 30. März 1987 wurde Feldwebel Alberto Dettori erhängt an einem Baum gefunden. Er war in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni einer der wachhabenden Offiziere in der Radarstation von Poggio Ballone.

  • Am 28. August 1988 starben die oben erwähnten Piloten Ivo Nutarelli und Mario Naldini beim Flugtagunglück von Ramstein. Die beiden Piloten hätten eine Woche nach dem Ramstein-Unglück vor dem Untersuchungsausschuss zu Itavia-Flug 870 aussagen sollen.

  • Am 1. Februar 1991 wurde Luftwaffenfeldwebel Antonio Muzio erschossen. Er war 1980 in der Radaranlage von Lamezia Terme beschäftigt.

  • Am 2. Februar 1992 starb Luftwaffenfeldwebel Antonio Pagliara bei einem Autounfall. Er war 1980 in der Radaranlage von Otranto beschäftigt.

  • Am 2. Februar 1992 stürzte der Geheimdienstoffizier Sandro Marcucci, der am Abend des 27. Juni 1980 im Einsatzstab Dienst hatte, vor seiner Vernehmung mit einem Sportflugzeug ab.

  • Am 12. Januar 1993 wurde Luftwaffengeneral Roberto Boemio in Brüssel von unbekannten Tätern erstochen. Der inzwischen pensionierte Offizier war am Abend des 27. Juni 1980 Kommandant des regionalen Einsatzzentrums in Martina Franca und galt als wichtiger Zeuge.

  • Am 21. Dezember 1995 wurde Franco Parisi erhängt an einem Baum gefunden. Er war 1980 in der Radaranlage von Otranto beschäftigt und hatte wenige Tage zuvor eine Vorladung zur Aussage vor Gericht erhalten.

Dennoch gelang es Untersuchungsrichter Rosario Priore in jahrelanger Puzzlearbeit, das Szenario von Ustica zu rekonstruieren und deckte eine Systematische Spurenverwischung von Staat und Militär auf. Mehr als 30 Jahre nach dem Flugzeugabsturz muss der italienische Staat endlich die Angehörigen der ums Leben gekommenen 81 Personen entschädigen.

Original Artikel aus der taz

Original Artikel aus der taz

Wie sieht die Zukunft der Beteiligten und Zeugen im Fall Germanwings 4U9525 aus??? Hoffen wir, dass es irgendwann einmal genauso Wahrheit und Gerechtigkeit geben wird…

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Veröffentlicht in Allgemeines, Gedanken des Tages, Menschen
2 comments on “+++ Akte 4U9525 +++ Jahrelange Ermittlung eines Untersuchungsrichters…
  1. Maria Kehrer sagt:

    hoffentlich dauert es nicht so lange und hoffentlich fordert es nicht so viele tote … 😦
    (vielen dank für deine interessanten artikel und deine aufklärungsarbeit !!!)

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  2. […] „Etwas vergleichbares habe ich in den letzten 25 Jahren nicht erlebt“ obwohl es schon Parallelen in der Geschichte dazu gegeben hat. Danach hat auch die deutsche Staatsanwaltschaft nur noch gegen Lubitz ermittelt. […]

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